4. Industrielle Revolution – was soll das denn?

Vor Jahren saß ich in meinem Büro und habe mich gefragt, wie langweilig doch die Welt wäre. Alles läuft in geordneten Bahnen, nix passiert und die Welt verändert sich kaum. Weit gefehlt, absolute Fehleinschätzung, denn die Wucht der Veränderungen kommt gerade auf uns zu und man weiß nicht, ob wir gerüstet sind, das alles so leicht zu meistern. Die Dinge verändern sich… schleichend und auf einmal stellt man fest, dass man z.B. überhaupt kein Fernsehen mehr schaut und einen nur interessiert, was das Smartphone gerade sagt. Gleichzeitig leben die Menschen heutzutage so lange, dass die Modernisierung sich schleichend durch die Generationen zieht und ich mit meinen knapp 40 bin nun auch nicht mehr die Jüngste.

Was war das nun mit dem digitalen Wandel?

Das Internet und die modernen Computer- und Satellitentechnologien machen es möglich, dass die Welt auf einmal vernetzter ist und eigentlich beliebig transparent sein könnte. Man braucht nicht mehr aus dem Fenster zu gucken, um einzuschätzen, wie das Wetter wird, sondern man schaut auf eine Vorhersage aus dem Internet, die einem anzeigt, wie weit die Wolken entfernt sind.

Wenn man die neusten Nachrichten erfahren will, liest man nicht die täglich eintrudelnde Tageszeitung, macht nicht das Radio an (Ein Gerät, das früher in jedem Haushalt war) oder wartet, bis in den Fernsehnachrichten zu festen Zeiten, die Nachrichten eintrudeln, sondern man schaut ins Internet und informiert sich über die Dinge, die einen interessieren, weltweit – in der Sprache und Region, die einen interessieren.  Es ist teilweise so, als wäre man vor Ort. Das Internet reicht (und natürlich ein Menge Journalisten, Blogger und sonstige Kommentaren, die die entsprechenden Seiten mit Inhalt füllen).

Um alleine diese Branche anzusprechen, so findet ein kompletter Wandel statt. Die Anforderungen ändern sich. In einem Land, in dem fast 90% gelegentlich das Internet benutzen, gibt es nur bedingt eine Zukunft für gedruckte Zeitungen, lokales Radio und klassisches Fernsehen. Im Moment werden viele Dinge noch parallel bedient, aber die nachkommenden Generationen werden die veralteten Medien aussortieren, wenn es ihnen keine Vorteile bringt und man nicht auf ihre Bedürfnisse eingeht.

Die Anforderungen sind klar. Junge Leute haben ein Smartphone (ggf. mit Kopfhörern) , eventuell auch ein Tablett, aber alles andere (wie Festnetz, CD/DVD-Player, Radiogerät, und selbst Briefkasten) sind Erwartungen, die man nicht mehr zur Versorgung mit Medien, Informationen und Musik benötigt.  Insofern sind all diese Branchen im Umbruch. Das gilt auch für die Leute, die darin arbeiten. Berufsbilder ändern sich. Es gibt viele Jobs, von denen kann man jungen Menschen nur abraten, wobei es immer auch Ausnahmen geben wird.

Der digitale Wandel involviert alle Bereiche unseres Lebens und wird uns noch die nächsten min. 15 Jahre begleiten. Dann wird diese Welt, insbesondere für die Menschen, die noch in der Vergangenheit leben, kaum noch wieder zu erkennen sein. Mir fällt es schwer, den Begriff „abgehängt“ zu benutzen, aber viele werden sich dann doch so fühlen.

Die jungen Menschen, die in dieser neuen Welt aufwachsen, werden die Bedenken der älteren kaum verstehen, denn für sie ist es das natürlichste der Welt. Insofern verstärkt die 4. industrielle Revolution in einer Welt, in der Menschen einen Lebenserwartung von über 80, die Spaltung zwischen den Generationen.  Gleichzeitig findet aber auch eine erweiterte Spaltung zwischen arm und reich statt. Diese (drohende) Zersplitterung der Gesellschaft löst in vielen Menschen Ängste aus und macht den Ruf nach einer autoritären Führung und Abgrenzung von anderen immer lauter.

Das kann man auf der ganzen Welt erkennen. Die Bürger wünschen sich Sicherheit, eine starke Hand zur Begleitung in die Zukunft. Und es scheint tatsächlich so, als hätten Staaten wie China die bessere Strategie, um sich für die Zukunft zu wappnen und ihr als Bürger – als Teil eines großen Ganzen, das Sicherheit gibt, relativ gelassen entgegen zu sehen.

Dass man dafür dann gewisse individuelle Freiheiten aufgeben muss, ist das eine, dass man dann aber auch nicht so frei denken kann, wie in der westlichen Welt, ist eine Einschränkung, die auch die internationale Innovationsfähigkeit beschränkt. Innovationsfähigkeit sehe ich hier als Lösungskompetenz der drängenden Fragen dieser Welt. Und ja, die Fragen, die uns bald so nahe bevorstehen, dass wir sie kaum mehr ignorieren können, werden die Welt betreffend sein und nicht nur unsere kleine Lebenswirklichkeit betreffend. Der Mensch hat im letzten Jahrhundert soviel Dreck in die Meere, die Atmosphäre, den Weltraum und die sonstige Welt verschleudert, dass es unvermeidlich wird, eine globale Müllabfuhr zu installieren, die uns den Planeten auch für zukünftige Generationen bewohnbar erhält.

Aber ich will hier niemanden frustrieren oder ein Weltuntergangsszenario zeichen. Nein, es gibt Lösungen und zwar für fast alle Probleme. Wir haben nämlich schlaue Köpfe auf diesem Planeten und zusammen können wir die Dinge auch alle angehen. Wir dürfen uns aber nur nicht abhalten lassen von künstlichen Strukturen, die aufgrund anderer Interessen andere Ziele haben. Und ja, auch hier kann Transparenz dafür sorgen, dass manche Leute einsehen müssen, dass man vielleicht lieber die Branche wechselt als ein altes System seiner Selbst will zu stützen.

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis – (lat. Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen.)

Man könnte auch sagen: Die Zeiten ändern sich, packen wir’s an!

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