Chancen für Künstliche Intelligenz in der Spracherkennung

KI – Künstliche Intelligenz bzw. maschinelles oder tiefes Lernen hat mit unserer Definition von „Intelligenz“ erst mal nicht soooooo viel zu tun. Derzeit sind die #KI-Unternehmen damit beschäftigt, alle vorhandenen Daten zu sammeln und auszuwerten, und ggf. neue Daten zu generieren. Um einem Algorithmus etwas neues beizubringen, braucht man Daten im 6-stelligen Bereich.

Jetzt kann man mal überlegen, in welchem Bereich derlei Daten vorhanden sind und was das über die neuen Technologien aussagen wird, die unser Leben beeinflussen werden.

Beispiel: Spracherkennung.

Vor noch 15 Jahren war es kaum möglich, einem Computer einen Text zu diktieren ohne tausend Fehler im resultierenden Text zu haben. Das hat sich aber rasant geändert. Schon seit 10 Jahren sind Programme auf dem Markt, die extrem schnell lernen und binnen kürzester Zeit – anhand etwas Training – insbesondere um den persönlichen Akzent des Sprechers zu identifizieren, einen vorgegebenen Text fehlerfrei übernehmen.

Wenn man dem Programm dann noch erlaubt, die gelernten Erkenntnisse an die Zentrale zurückzuschicken, wird die Software immer „intelligenter“. Und so ist es heute schon so, dass Alexa und Co. den Großteil der Befehle erkennen, aber gleichzeitig – mit jedem Befehl – noch mehr lernen. Jeder nicht verstandene Befehl kann nämlich mittlerweile dann auch noch manuell ausgewertet werden, um die Erkennung weiter zu verbessern.

Und die Trainingssets und die Anwendungen werden immer mehr. Beispiel: Universalübersetzung. Seit ein paar Monaten sind auch schon Tools auf dem Markt, die Sprach-Universaltexterkennung und -übersetzung anbieten. Bisher beschränken sich die Antworten oft aufs Schriftliche. Allerdings handelt es sich hierbei nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Programm in einem akzeptierten Empfänger-angepassten Dialekt antworten können wird. So ein Universalübersetzer war schon vor mehreren Jahrzehnten in der Fernsehserie Star Trek angedacht, seine Umsetzung wird aber nur noch eine Frage von wenigen Jahren sein.

Die spannende Frage ist dann natürlich, was macht das mit unserer Sprache und Kultur, wenn wir auf einmal alle anderen verstehen. Bisher liegt ein Teil der Missverständnisse zwischen verschiedenen Kulturen an der Sprache. Im vergangenen Jahrtausend hat z.B. das Englische, das diesselbe Basis hat wie das Deutsche, eine starke Vereinfachung seiner Grammatik hinnehmen müssen – aufgrund der vielen anders sprechenden Einwanderer. Die Formen wurden abgehakt und stark vereinfacht, um das Zusammenleben zu vereinfachen. Das passiert im Deutschen gerade auch. Man sieht das an der Verwendung von „Du“ und „Sie“. Während es vor 20 Jahren quasi unmöglich war, einen unbekannten Menschen zu duzen, hat hier ein Kulturwandel stattgefunden bzw. findet statt. In vielen Bereichen duzt man sich quasi ausschließlich und gerade für nicht-Deutsch-Muttersprachler ist das eine Erleichterung. Man sieht dies an den unterschiedlichen „Duz-Regeln“ in Berlin bzw. auf dem Land.  Auch in internationalen Organisationen wird man oft prinzipiell von allen geduzt. In den nationalen gibt es zumindest für die Deutschen oft noch eine vorgesetzte Siez-Hürde. Es hängt ganz davon ab, wie international das Unternehmen ist. In der Forschung ist es normal, Kollegen auf English zu duzen – alles andere wird alle komisch empfunden. Die Übertragung ins Deutsche hat hier zum Teil auch schon stattgefunden. Es gibt aber eine deutliche Grauzone.

Was wird also ein funktionierender Universalübersetzer mit uns machen? Nun, auf dem Land wird sich wahrscheinlich nicht so viel ändern, da man in seiner Gemeinde sowieso immer mit denselben Menschen spricht. Multi-Kulti-Städte wie Berlin oder München werden aber einen Wandel durchleben… und zwar auf den verschiedensten Ebenen.

„Muss ich dann Klingonisch lernen, um von anderen nicht verstanden zu werden“, fragte mich einer auf Twitter. Und die Frage ist berechtigt. Denn gerade in Berlin hat die unterschiedliche Sprache auch eine trennende Funktion. Jeder nicht-Deutsch-Muttersprachler hat eine zweite Sprache, die er auf unterschiedlichem Niveau beherrscht und für die unterschiedlichsten Bereiche verwendet. Man mag vielleicht primär an die Clan-Kriminalität in der Stadt denken, die auf einmal offensichtlicher wird, weil alle alle anderen verstehen. Die Ausmaße gehen aber deutlich darüber.

Und auch Klingonisch – eine künstliche Sprache mit echter Grammatik aus einer Fernsehserie – wird nicht reichen, um geheim zu kommunizieren, denn jede Sprache, von der Bruchteile bekannt sind, wird binnen kürzester Zeit erkannt werden.

Geheimen Austausch in der „eigenen“ Sprache wird es nicht mehr geben. Die kleinen Lästereien, wenn man denkt, die anderen verstünden einen nicht, wird man unterlassen oder mit den Konsequenzen leben müssen. Die Misch-Masch-Sprache vieler Berliner, die Migranten der 2. und 3. Generation sind, und in nichtdeutschen Gesprächen gerne perfekt ausgesprochenen deutsche Fachbegriff einbauen wird sich auch verändern.

Die Interaktion mit völlig Unbekannten wird erleichtert werden, weil man einfach drauflosreden kann und die anderen sich nicht mehr hinter Sprachhürden verstecken können.

Ja, das tun einige – das habe ich selbst auch schon getan.

Es werden also Barrieren wegfallen und sich unsere Gesellschaft weiterentwickeln. Aufgrund des Universalübersetzers – aufgrund von KI.

Und das war nun nur ein Mini-Bereich der Möglichkeiten der „künstlichen Intelligenz“. Es gibt viele weitere, wo man sich bisher nicht vorstellen kann, wie das Zusammenleben beeinflusst werden könnte.

Auf jeden Fall kaufe ich mir auch so einen Ohrstöpsel und die entsprechende App, um einen Universalübersetzer zu haben und alle anderen zeitnah zu verstehen. Wahrscheinlich wird dann zunächst auf einem Smartphone auf Wunsch ein Antworttext in Lautsprache bereitgestellt für Leute, die noch keine App mit Ohrstöpsel haben, während die mit Ohrstöpsel die Antwort in Ihrer Wunschsprache bekommen.

Welche Wunschsprache wählt man?  Wie entwickelt sich dann die Sprache? Da sind keine Antworten, die man schon in 15 Jahren geben kann, aber vielleicht in 200 – sofern wir unseren Planeten nicht bis dahin unbelebbar gemacht haben. Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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